Arbeitszeitkonten

PROJEKTLOGO


Modellbeschreibung

Arbeitszeitkonten ersetzen das traditionelle und starre Muster der gleichmäßig über die Arbeitswoche verteilten Vertragsarbeitszeit und eröffnen sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern die Möglichkeit, die individuelle Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Auf einem persönlichen Zeitkonto des Mitarbeiters werden tagesbezogene Abweichungen zwischen der vereinbarten und der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit saldiert. Weiter ...


Varianten der Arbeitszeitkonten

Unter dem Begriff Arbeitszeitkonto werden die unterschiedlichsten Arbeitszeitmodelle diskutiert. So werden Arbeitszeitkonten im Wesentlichen nach deren zeitlichem Regulierungsrahmen unterschieden. Dabei lassen sich zwei Grundtypen unterscheiden: Kurzzeitkonten und Langzeitkonten. Weiter ...


Warum Arbeitszeitkonten? Vor- und Nachteile des Modells

Arbeitszeitkonten sind das am weitesten verbreitete Arbeitszeitmodell. Der Grund dafür liegt in der Vielseitigkeit dieses Modells: Arbeitszeitkonten machen es nicht nur möglich, optimal auf schwankende Auftragslagen zu reagieren, sondern bewirken es auch, produktiver und kosteneffizienter zu arbeiten und Betriebs- und Servicezeiten auszuweiten, Mitarbeitern mehr Zeitautonomie zu gewähren und eine gegenseitige Vertrauenskultur aufzubauen sowie Arbeitszeit auch für Weiterbildungszwecke zu verwenden. Weiter ...


Tarifvertragliche Regelungen zu Arbeitszeitkonten (Auswahl):

In dieser Übersicht finden sie tarifvertragliche Regelungen der deutschen Post AG, des Glaserhandwerks Niedersachsen, des Hotel- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg, des Norddeutschen Rundfunks u. a. Weiter ...


Insolvenzsicherung von Arbeitszeitguthaben

Was passiert mit den auf den Arbeitszeitkonten angesparten Zeitguthaben, wenn das Unternehmen Insolvenz anmelden muss? Die Arbeitnehmer verlieren nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihr angespartes Guthaben, wenn die Guthaben nicht gegen Insolvenz gesichert sind. Weiter ...


Nutzen von flexiblen Arbeitszeiten und Zeitguthaben zur Weiterbildung

Sabbatical: Werden Arbeitszeitguthaben lange genug aufgespart, können sie für einen Langzeiturlaub, ein sogenanntes Sabbatical, verwendet werden. Weiter ...
Lernzeitkonto: Das „Bündnis für Arbeit“ hat am 10.7.2000 erklärt: „Wir sehen in langfristigen Arbeitszeitguthaben eine Möglichkeit, Lebenslagen orientiert in Weiterbildung, in Altersvorsorge und in ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben im Rahmen der Altersteilzeit zu investieren.“ Das Konzept des „Lernzeitkontos“ greift den erstgenannten Aspekt auf und meint im Kern das Ansparen von Weiterbildungsansprüchen, u. a. über Guthaben eines Arbeitszeitkontos. Weiter...





Modellbeschreibung

Arbeitszeitkonten ersetzen das traditionelle und starre Muster der gleichmäßig über die Arbeitswoche verteilten Vertragsarbeitszeit und eröffnen sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern die Möglichkeit, die individuelle Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Auf einem persönlichen Zeitkonto des Mitarbeiters werden tagesbezogene Abweichungen zwischen der vereinbarten und der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit saldiert. Mit Hilfe von Arbeitszeitkonten können somit in einem festgelegten Umfang Zeitguthaben und Zeitschulden gebildet werden, die jedoch innerhalb eines festgelegten Zeitraums ausgeglichen werden müssen. Durch Arbeitszeitkonten werden somit die Möglichkeiten erheblich ausgeweitet, die tägliche, wöchentliche und monatliche Arbeitszeit zu variieren. Die daraus resultierende Steigerung der Gestaltungsoptionen führt sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite zu erheblichen Vorteilen.

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Varianten der Arbeitszeitkonten

Unter dem Begriff Arbeitszeitkonto werden die unterschiedlichsten Arbeitszeitmodelle diskutiert. So werden Arbeitszeitkonten im Wesentlichen nach deren zeitlichem Regulierungsrahmen unterschieden. Dabei lassen sich zwei Grundtypen unterscheiden:

  1. Kurzzeitkonten und
  2. Langzeitkonten.
Kurzzeitkonten
Zu den Kurzzeitkonten zählen alle Arbeitszeitkonten, deren Bezugs- beziehungsweise Ausgleichszeitraum weniger als ein Jahr beträgt. Deshalb existieren verschiedene Varianten von Kurzzeitkonten, die im Folgenden näher vorgestellt werden sollen:

Gleitzeit
Die am meisten verbreitete Form von Arbeitszeitkontenführung ist die Gleitzeit, die gewissermaßen die Urform des Arbeitszeitkontos darstellt und in einfache und qualifizierte Gleitzeit unterschieden werden kann. Im Rahmen der einfachen Gleitzeit hat der einzelne Arbeitnehmer die Möglichkeit, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit innerhalb bestimmter Grenzen frei zu wählen. Die Dauer der täglichen Arbeitszeit liegt jedoch fest. Bei der qualifizierten Gleitzeit kann der Arbeitnehmer hingegen sowohl über die Lage als auch über die Dauer der täglichen Arbeitszeit entscheiden. Bei der Gleitzeit existiert eine tägliche oder wöchentliche Regelarbeitszeit, bei der die Beschäftigten innerhalb einer Kernarbeitszeit (z. B. 9.00 – 15.00 Uhr) anwesend sein müssen, den Rest ihrer Arbeitszeit jedoch innerhalb der Rahmenarbeitszeit (z. B. 7.00 – 19.00 Uhr) verteilen dürfen. Überstunden werden nach einer festgelegten Gleitzeitübertragsregelung gemäß eines vertraglichen Vergütungsmodus oder einer Freizeitregelung ausgeglichen.

Jahresarbeitszeitkonto
Mit der Bezeichnung Jahresarbeitszeitkonto werden alle Arbeitszeitkontenmodelle zusammengefasst, bei denen der traditionell, starre Wochen- oder Monatsbezug (Gleitzeitkonto) durch einen Jahresbezug (Jahresarbeitszeitkonto) ersetzt wird. Durch diese Verlängerung des Bezugs- und Ausgleichszeitraums ist es sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer möglich, das vertraglich vereinbarte Arbeitszeitvolumen mehr oder weniger flexibel auf der Zeitachse zu verteilen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitszeitsaldo im Jahresdurchschnitt mit der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit übereinstimmt und das Arbeitszeitkonto idealerweise einmal in zwölf Monaten die Nulllinie durchläuft.

Ampelkonto
Eine Erweiterung des einfachen Arbeitszeitkontenmodells ist das Ampelkonto. In der betrieblichen Praxis werden hierbei für den Fall, dass der Ausgleich des Arbeitszeitkontos in dem vorgesehenen Ausgleichzeitraum nicht durchgeführt wird, „Warnsysteme" eingerichtet. Mitarbeiter und Vorgesetzte beobachten hierbei den Stundensaldo des Arbeitnehmers und kontrollieren permanent, ob das Arbeitszeitkonto „überzulaufen" droht oder – im selteneren Fall – übermäßig viel Freizeit genossen wird.

Es werden drei verschiedene Phasen unterschieden:
  • Grünphase (beispielsweise bis +/- 30 Stunden) –
    die Mitarbeiter tragen die Verantwortung über die Arbeitszeit alleine.
  • Gelbphase (beispielsweise bis +/- 40 Stunden) –
    erfordert das Zusammenwirken von Mitarbeitern und Vorgesetzten, um wieder in die Grünphase zurückzukehren.
  • Rotphase (beispielsweise bis +/- 60 Stunden) –
    die Vorgesetzten sorgen dafür, dass die Arbeitszeitsalden der Mitarbeiter wieder in den gelben und grünen Bereich zurückgeführt werden.
Durch eine konsequente Beobachtung und Regulierung von Arbeitszeitkonten kann sichergestellt werden, dass sich keine Zeitguthaben ansammeln, die durch Freizeitausgleich quasi nicht mehr abgebaut werden können. Die Stundenvorgaben, wann die Gelb- und die Rotphase einsetzt, sind in den Unternehmen je nach Bedarf unterschiedlich hoch.

Arbeitszeitkorridor
Eine etwas restriktivere und arbeitgeberfreundliche Form des Kurzzeitkontenmodells ist der Arbeitszeitkorridor, da dieser dem Arbeitgeber unter Vorankündigung und in einem festgelegten Rahmen die Entscheidungskompetenz über Lage und Dauer der täglichen Arbeitszeit gibt. Im Rahmen einer Arbeitszeitkorridorregelung hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, die vertraglich festgelegte Arbeitszeit innerhalb bestimmter Ober- und Untergrenzen in Abhängigkeit vom Arbeitsaufkommen zu bestimmen. Er ist beispielsweise in der Lage, die wöchentliche Arbeitszeit bei einer vertraglichen Durchschnittsarbeitzeit von 35 Stunden in der Woche zwischen 40 und 30 Stunden zu variieren. In der Regel wird eine Arbeitszeitkorridorregelung mit der Führung eines Kurzzeitkontos mit festgelegtem Ausgleichszeitraum verbunden, um sicherzustellen, dass der Arbeitnehmer im Durchschnitt auf seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit kommt.

Langzeitkonto
Langzeitkonten dienen in erster Linie dem langfristigen Ansparen von Arbeitszeitguthaben. Mithilfe solcher Ansparkonten ist es möglich, Arbeitsstunden, die über die normale Regelarbeitszeit hinaus geleistet worden sind, auf einem separaten Arbeitszeitkonto anzusparen. Das entstandene Arbeitszeitguthaben kann mit unterschiedlichen Zielsetzungen genutzt werden: Abhängig von dem Ansparzeitraum ist es möglich, das Arbeitszeitguthaben entweder zu einem zeitweiligen Ausstieg aus dem Berufsleben, einen so genannten Sabbatical, zu nutzen oder, wie beim Lebensarbeitszeitkonto, mit dem Ziel, in den vorzeitigen Ruhestand gehen zu können.

Sabbatical
Werden Arbeitszeitguthaben lange genug aufgespart, können sie für ein so genanntes Sabbatical verwendet werden. Das Sabbatical ist ein vom Unternehmen gebilligter Langzeiturlaub – in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten – an dessen Ende der Arbeitnehmer in das Unternehmen und im Idealfall an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehrt. Während des Sabbaticals bleibt es den Arbeitnehmern freigestellt, welche Wünsche und Ziele sie in der neu gewonnenen Freizeit verwirklichen. Ob diese nun in der Erfüllung des lang ersehnten Traums einer Weltreise oder in einer intensiven Familienphase liegen, ob der Langzeiturlauber die Zeit nutzt, um neue Zukunftsperspektiven zu entwickeln oder sich im Selbststudium oder durch Fortbildungen konkrete Zusatzqualifikationen aneignet, bleibt dem temporären Aussteiger freigestellt. Obwohl der Arbeitnehmer sehr frei entscheiden kann, wie er die Auszeit nutzt, wird trotzdem deutlich, dass nicht nur der Mitarbeiter, sondern auch sein Arbeitgeber von der Auszeit und der (wieder)erstarkten Leistungsfähigkeit und Motivation, den neuen Ideen und dem gewachsenen Wissens- und Erfahrungshorizont des zudem ausgeruhten und ausgeglichenen Mitarbeiters profitiert.

Lebensarbeitszeitkonto
Im Gegensatz zu Kurzzeitkonten, auf welchen abzuleistende und abgeleistete Arbeitszeiten gegeneinander aufgerechnet werden, wird auf einem Langzeit- beziehungsweise Lebensarbeitszeitkonto „überschüssige" Arbeitszeit, die nicht relativ zeitnah in Freizeit ausgeglichen wird, gutgeschrieben. Zum Ansparen dieser überschüssigen Zeit wird in Abweichung zu der (tarif-) vertraglich vereinbarten Arbeitszeit ein zusätzliches Stundenkontingent vereinbart (z. B. eine 40- statt 38,5-Stundenwoche), welches Woche für Woche auf ein zusätzlich zu dem normalen Kurzzeitkonto bestehendes Langzeitkonto gebucht wird (d.h. 1,5 Std./Woche) und für längere Freizeitblöcke, eine kürzere Lebensarbeitszeit, den gleitenden Übergang in den Ruhestand oder Weiterbildung genutzt werden kann.

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Warum Arbeitszeitkonten? Vor- und Nachteile des Modells

Arbeitszeitkonten sind das am weitesten verbreitete Arbeitszeitmodell. Der Grund dafür liegt in der Vielseitigkeit dieses Modells: Arbeitszeitkonten machen es nicht nur möglich, optimal auf schwankende Auftragslagen zu reagieren, sondern bewirken es auch, produktiver und kosteneffizienter zu arbeiten und Betriebs- und Servicezeiten auszuweiten, Mitarbeitern mehr Zeitautonomie zu gewähren und eine gegenseitige Vertrauenskultur aufzubauen sowie Arbeitszeit auch für Weiterbildungszwecke zu verwenden.

Zur optimalen Reaktion auf schwankende Auftragslagen
Es sind in erster Linie Arbeitszeitkonten, mit deren Hilfe Untenehmen flexibel auf saisonale oder konjunkturelle Schwankungen im Arbeitsaufkommen reagieren können, da sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber mit diesem Arbeitszeitmodell in der Lage sind, ein über einen längeren Zeitraum, z. B. ein Monat oder besser noch ein Jahr, verteiltes Arbeitszeitbudget, flexibel einzusetzen. Beim Jahresarbeitszeitkonto wird beispielsweise der traditionell starre Wochen- oder Monatsbezug (Gleitzeitkonto) durch einen Jahresbezug (Jahresarbeitszeitkonto) ersetzt. Durch diese Verlängerung des Bezugs- und Ausgleichszeitraums und der damit verbundenen Flexibilisierung der täglichen, wöchentlichen und monatlichen Arbeitszeit ist es sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer möglich, das vertraglich vereinbarte Arbeitszeitvolumen entsprechend dem Arbeitsaufkommen je nach Arbeitszeitmodell mehr oder weniger flexibel auf der Zeitachse zu verteilen und somit flexibel auf saisonale oder unvorhergesehene Auftragsschwankungen zu reagieren. Voraussetzung ist, dass der Arbeitszeitsaldo im Jahresdurchschnitt mit der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit übereinstimmt und das Arbeitszeitkonto idealerweise einmal in zwölf Monaten die Nulllinie durchläuft. Genau darin liegt jedoch oft das Problem, da in den meisten Branchen und Unternehmen die Jahressollarbeitszeit eben nicht exakt planbar ist und deshalb oft auch nicht eingehalten wird. Eine Möglichkeit, den Stand des Stundensaldos auf dem Jahresarbeitszeitkonto trotzdem kontrollierbar zu halten, ist die Arbeitszeitsteuerung mithilfe von Ampelkonten.

Zur Ausweitung von Betriebs- und Servicezeiten und Reduktion von Kosten
Betriebs- oder Ansprechzeiten, die über den gewöhnlichen Arbeitstag eines Angestellten hinaus gehen und somit länger als acht Stunden betragen, sind in nahezu allen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit. Während in produzierenden Unternehmen oft mit Schichtarbeitsmodellen gearbeitet wird, wenn längere Betriebszeiten durch verschiedene Beschäftigte mit versetzten Arbeitszeiten besetzt werden sollen, werden im Dienstleistungssektor beziehungsweise in der Verwaltung versetzte Arbeitszeiten in der Regel durch eine variable Personaleinsatzplanung verwirklicht. Unabhängig davon, ob diese Abdeckung der Ansprechzeiten dadurch erfüllt wird, dass zeitautonome Teams ihre Arbeitszeiten eigenständig untereinander absprechen und die Arbeitsplätze besetzen, oder dass die Abteilungsleitung mit oder ohne Absprache mit den Mitarbeitern einen Dienstplan aufstellt – Arbeitszeitkonten werden in der Regel in beiden Fällen zum Einsatz kommen.
Die flexible Anpassung an Kundenwünsche und allgemeine Änderungen der Ladenöffnungszeiten sollten in betriebswirtschaftlich sinnvoller Weise verwirklicht werden: Ausreichend lange Ansprechzeiten in den kundennahen Bereichen wie Vertrieb und Beratung in Industriebetrieben oder Verlängerung der Öffnungszeiten und Verlängerung der Erreichbarkeit in Dienstleistungsbetrieben können mittels Arbeitszeitkonten bedarfsgerecht und flexibel gestaltet werden.

Weitere Vor- und Nachteile
Darüber hinaus existieren weitere Vor- und Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die bei der Zeiterfassung mithilfe von Arbeitszeitkonten entstehen.

Vorteile auf Arbeitgeberseite

  • bessere Synchronisation von Markt- und Betriebsbedingungen durch die Anpassung der Arbeitszeit an die betrieblichen Anforderungen
  • schnellere Reaktionsmöglichkeiten auf Markt- und Kundenerfordernisse
  • effektiverer Einsatz der Arbeitskräfte
  • optimierte Anlagennutzungszeiten
  • bessere Arbeitsmotivation und höhere Arbeitszufriedenheit
  • Vermeidung von Überstundenzuschlägen und Kurzarbeit
  • kundengerechte Öffnungs-, Service- und Ansprechzeiten
  • geringere Leerzeiten und Lagerkosten
  • kürzere Produktions- und Lieferzeiten
  • Sicherung des Betriebs in krisenhaften Zeiten.
Nachteil auf Arbeitgeberseite
  • Höherer Verwaltungsaufwand bei flexiblen im Gegensatz zur pauschalen Arbeitszeitregelungen.
Vorteile auf Arbeitnehmerseite
  • Steigerung der Zeitsouveränität der Mitarbeiter
  • gesteigerte Möglichkeiten für eine lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung.
Nachteil auf Arbeitnehmerseite
  • Verzicht auf Gehaltsverbesserungen durch Überstundenzuschläge.

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Tarifvertragliche Regelungen zu Arbeitszeitkonten (Auswahl):


Brauereien NRW

Einrichtung des Kontos Das Arbeitszeitkonto ist für jeden Arbeitnehmer verbindlich.
Grenzwert maximal 40 Stunden
Ausgleichszeitraum  
Auf- und Abbau des Kontos Freie Tage entsprechen 7 Stunden und 24 Minuten.
Besonderheiten  

 

Deutsche Post AG

Einrichtung des Kontos Es existieren Arbeitszeitkonten für alle Mitarbeiter, ausgenommen den Zustellern.
Grenzwert Maximal dreifache wöchentliche Arbeitszeit (WAZ)
Ausgleichszeitraum Ampelkonto:
+/- einfache Wochenarbeitszeit = grüner Bereich
+/- zweifache Wochenarbeitszeit = gelber Bereich
+/- dreifache Wochenarbeitszeit = roter Bereich
Die Nulllinie sollte nach 18 Monaten erreicht werden.
Auf- und Abbau des Kontos Arbeitszeitkonten im gelben Bereich sind in den grünen Bereich zurückzusteuern (Veranlassung durch Arbeitgeber, Arbeitnehmer oder ggf. Arbeitsgruppe).
Arbeitszeitkonten im roten Bereich sind unverzüglich in den gelben Bereich zu überführen (Verantwortung für die Zurückführung liegt beim Arbeitgeber).
Besonderheiten Der Arbeitnehmer erhält einmal monatlich ein Journal seines Arbeitszeitkontos. Er kann jederzeit, soweit dem nicht betriebliche Gründe entgegenstehen, Einsicht in sein Konto nehmen.

 

Glaserhandwerk Niedersachen

Einrichtung des Kontos Durch Betriebsvereinbarungen können für einzelne Arbeitnehmer, Arbeitnehmergruppen, Betriebsteile oder den gesamten Betrieb Arbeitszeitkonten eingerichtet werden.
Grenzwert 70 Plusstunden - 50 Minusstunden
Ausgleichszeitraum Normalerweise 12 Monate. Aus betrieblichen Gründen ist eine Verlängerung um 3 Monate - bis Ende März des Folgejahres - möglich.
Auf- und Abbau des Kontos Die Guthaben werden mit Mehrarbeitszuschlägen bezahlt. Der Ausgleich des Arbeitszeitkontos findet mit der März-Abrechnung jeden Jahres statt.
Besonderheiten Bestehende Guthaben müssen während der Kündigungsfrist ausgeglichen werden. Wenn dieses nicht möglich ist, werden verbleibende Stunden abgegolten. Es existieren Empfehlungen zu angemessenen Sicherungssystemen gegen Insolvenz.

 

Groß- und Außenhandel Schleswig-Holstein

Einrichtung des Kontos Wenn flexible Arbeitszeitregelungen (Kann-Bestimmung) existieren, ist die Einführung eines Arbeitszeitkontos verbindlich.
Grenzwert  
Ausgleichszeitraum 52 Wochen
Auf- und Abbau des Kontos  
Besonderheiten Am Ende des Verteilzeitraumes (52 Wochen) soll das Arbeitszeitkonto ausgeglichen sein. Der Stand des Arbeitszeitkontos ist mit der monatlichen Entgelt-Abrechnung auszuweisen.

 

Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg

Einrichtung des Kontos Bei flexibler Arbeitszeitregelung (Kann-Bestimmung) mit einem Arbeitszeitkonto ist der schriftliche Arbeitsvertrag zwischen den Parteien verbindlich.
Grenzwert Die monatliche Höchstarbeitszeit darf 198 Stunden nicht überschreiten.
Ausgleichszeitraum  
Auf- und Abbau des Kontos Mehrarbeit ist in Freizeit auszugleichen. Erfolgt kein Freizeitausgleich, ist die angesammelte Arbeitszeit mit dem jeweiligen Mehrarbeitszuschlag abzugelten.
Besonderheiten Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf die Bezahlung der vereinbarten Monatsarbeitszeit.

 

Norddeutscher Rundfunk

Einrichtung des Kontos Die Einrichtung erfolgt für jeden Arbeitnehmer. Die Nutzung ist für jeden Beschäftigten jedoch freiwillig.
Grenzwert  
Ausgleichszeitraum Ein Kalendervierteljahr.
Auf- und Abbau des Kontos Eine Ablehnung eines Antrags auf Freizeitgewährung durch den Arbeitgeber ist nur möglich, wenn dem dringende betriebliche Erfordernisse oder die Gewährung von Ansprüchen anderer Arbeitnehmer, welche unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen.
Besonderheiten Zweimal jährlich muss eine schriftliche Information des Arbeitnehmers über den Stand des Kontos erfolgen.
Härtefallregelung: Sollte die Anwendung der tarifvertraglichen Bestimmungen zu einer offensichtlich unbilligen Härte führen, die mit dem Sinn dieser Regelung nicht im Einklang steht, kann der Arbeitgeber im Einvernehmen mit dem Personalrat davon abweichen.

 

Wasserverbände NRW

Einrichtung des Kontos Die Einrichtung eines Arbeitszeitkontos ist durch Dienst- bzw. Betriebsvereinbarungen möglich.
Grenzwert  
Ausgleichszeitraum Maximal ein Jahr
Auf- und Abbau des Kontos Die Abrufung von Zeitguthaben erfolgt grundsätzlich schriftlich durch den Arbeitnehmer. Eine Ablehnung ist nur aus dringenden dienstlichen bzw. betrieblichen Gründen möglich.
Besonderheiten Höchstentnahme: 1.800 Stunden

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Insolvenzsicherung von Arbeitszeitguthaben

Bei der Führung von Lang- und Lebensarbeitszeitkonten entstehen bei einem Unternehmen zum Teil sehr umfangreiche Arbeitszeitguthaben, die im Falle einer Insolvenz des Unternehmens verloren gingen, wenn sie nicht gesichert sind. Die Arbeitnehmer verlören dann nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihr angespartes Guthaben. Zwar besteht für die Unternehmen die gesetzliche Verpflichtung, sowohl bei Altersteilzeit als auch bei Langzeitkonten die Arbeitszeitguthaben gegen Insolvenz zu sichern (Altersteilzeitgesetz, „Flexi-Gesetz", SGB IV §7d), doch die Praxis sieht noch anders aus: Viele Unternehmen sind überzeugt, dass Insolvenz bei ihnen kein Thema sein wird und sie deshalb auch keine Sicherungsmaßnahmen treffen müssen. Dabei ist die Gefahr groß: Rechnerisch gesehen meldete 2001 jede Viertelstunde ein deutsches Unternehmen Insolvenz an, und täglich gingen durch Unternehmensinsolvenzen 556 Arbeitsplätze verloren.

Modelle der Insolvenzsicherung
Obwohl erst wenige Finanzinstitute und Versicherungsunternehmen Modelle zur Insolvenzsicherung von Arbeitszeitguthaben anbieten, sind in der unternehmerischen Praxis bereits einige Ansätze diesbezüglich eingeführt worden. Viele Unternehmen beklagen dabei den hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand und mahnen bessere Modelle bei den Banken und Versicherungen an. Folgende Modelle der Insolvenzsicherung werden praktiziert:

  • Fondslösung
    Der Arbeitgeber richtet bei einer Kapitalanlagegesellschaft ein Depotkonto ein und entscheidet über den Fondstyp (meist eher risikoarme Fondsanlagen wie Rentenfonds, Geldmarktfonds); Inhaber der erworbenen Fondsanteile bleibt der Arbeitgeber. Die während der Fondsanlage erwirtschafteten Erträge stehen dem Arbeitgeber zu. Daraus bestreitet er seine Kosten für Verwaltung und Depotführung. Wird der Arbeitgeber während der Vertragslaufzeit insolvent, übernimmt die Kapitalanlagegesellschaft die Zahlungsabwicklung an die Beschäftigten und führt Steuern und Sozialabgaben an die zuständigen Stellen ab.

  • Bankbürgschaft
    Ein Kreditinstitut schließt mit einem Arbeitgeber nach entsprechender Bonitätsprüfung einen Vertrag ab, in dem sich das Kreditunternehmen verpflichtet, gegenüber den Beschäftigten für die Verbindlichkeiten aus dem Arbeitszeitkonto einzustehen. Die Gebühren für die Bankbürgschaft hat der Arbeitgeber zu zahlen. Die Höhe richtet sich nach dem Umfang der zu sichernden Forderung und nach der Risikobeurteilung durch das Kreditinstitut. Vorteil: Die Bankbürgschaft deckt immer genau den Umfang der gesicherten Forderung ab, und das Unternehmen büßt nicht an Liquidität ein. Nachteil: Die Bankbürgschaft eignet sich nur für solvente Unternehmen, die ihre Kreditlinie noch nicht ausgeschöpft haben.

  • Kautionsversicherungsmodell
    Im Rahmen der Kautionsversicherung für Zeitguthaben gibt eine Versicherungsgesellschaft den Unternehmen eine Bürgschaft. Statt der 100-prozentigen Hinterlegung der Guthabensumme reichen in der Regel 25 Prozent. Bei größeren Summen prüft die Versicherung die Bonität des Unternehmens. Im Insolvenzfall übernimmt ein Treuhänder die Abwicklung (und nicht die Versicherungsgesellschaft). Liquiditätsvorteil: Das Unternehmen hat einen größeren Finanzierungsspielraum durch Nutzung nicht gebundener Wertguthaben.

  • Zeitwertpapier
    Bei Volkswagen können die Beschäftigten ihre Arbeitszeitguthaben aus Mehrarbeit, aber auch Teile des Gehalts wie Weihnachtsgeld oder Prämien auf ein Konto einzahlen. Die Zeit wird auch in Geld umgerechnet und als verzinsliches "Zeitwertpapier" in Form eines Rentenfonds bei einer geschätzten Rendite von 10 Prozent angelegt. 96 Prozent der Mitarbeiter nutzen inzwischen das Zeitwertpapier. Vorteil: Das eingezahlte Geld muss erst im Rentenalter mit einem günstigen Satz versteuert werden. Außerdem entfallen die Sozialabgaben ebenso wie die Bearbeitungsgebühren für den Fonds. Das Modell hat die HypoVereinsbank inzwischen auch für andere Unternehmen weiterentwickelt.
Tarifvertragliche Regelungen
Von den 55.000 zurzeit gültigen Tarifverträgen haben etwa 300 Vereinbarungen zur Insolvenzsicherung von Arbeitszeitguthaben getroffen. Die Art der Sicherung kann in der Regel betrieblich festgelegt werden. Der Arbeitgeber ist meistens verpflichtet, gegenüber dem Betriebsrat und gegenüber dem Beschäftigten jährlich die ausreichende Sicherung nachzuweisen.
In seinem Bericht über die Vereinbarungen zur Absicherung von Wertguthaben vom Dezember 2001 mahnt das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung: „Wenn entgegen der gesetzlichen Verpflichtung kein Insolvenzschutz vereinbart wird, kann es im Fall der Insolvenz zu erheblichen Nachteilen für die betroffenen Arbeitnehmer kommen, daher sollten alle Beteiligten geeignete Maßnahmen ergreifen.“ Allerdings hält das BMA Sanktionen bei Nichtabsicherung für nicht geeignet, weil das der Verbreitung von Langzeitkonten entgegenwirken würde. Das entspricht auch dem Wunsch des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit: „Wichtige Voraussetzung für die Nutzung langfristiger Konten sind die Insolvenzsicherung und die Übertragbarkeit von Ansprüchen bei Arbeitsplatzwechsel.“

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