Nutzen von Zeitguthaben zur Weiterbildung und Weiterentwicklung mit ...

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Sabbaticals

Kurzbeschreibung
Werden Arbeitszeitguthaben lange genug aufgespart, können sie für einen Langzeiturlaub, ein sogenanntes Sabbatical, verwendet werden.


Was ist ein Sabbatical?
Die sprachliche Wurzel des Wortes „Sabbatical“ liegt im biblischen Sabbat (von hebräisch „schabbat“, ruhen) und stammt aus dem Alten Testament. Das Sabbatjahr beschreibt eine landwirtschaftliche Bewirtschaftungsform, bei welcher der Ackerbau nach sechs Jahren für eine Wachstumsperiode pausiert und der Boden brach liegt, um sich zu regenerieren. Auf die heutige Arbeitswelt übertragen, bedeutet dies, dass ein Arbeitnehmer nach einer bestimmten Zeitspanne seinen Arbeitsplatz verlassen, Urlaub machen, in der „Ruhephase“ Kraft sammeln und mit neuem Elan in sein Unternehmen zurückkehren kann.
Ein Sabbatical ist demnach ein vom Unternehmen gebilligter Langzeiturlaub - in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten - an dessen Ende der Arbeitnehmer in das Unternehmen und im Idealfall an den alten Arbeitsplatz zurückkehrt.

Nach der Umfrage „Arbeitsmöglichkeiten in der Zukunft“, die die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen 1999 in den 15 EU-Ländern durchgeführt hat, waren damals für 38 Prozent der Beschäftigten (35 Prozent in Deutschland) Sabbaticals bereits möglich. Zwei Drittel der Befragten würden die Zeit zum Reisen und Entspannen nutzen, etwa 24 Prozent (28 Prozent in Deutschland) für Weiterbildung.


Welche Vorteile haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer von einem Sabbatical?
Während des Sabbaticals bleibt es den Arbeitnehmern freigestellt, welche Wünsche und Ziele sich in der neugewonnen Freizeit verwirklichen lassen. Neben der Verfolgung persönlicher Interessen wird das Sabbatical von Arbeitnehmern besonders auch dazu genutzt, persönliche und berufliche Qualifizierungsziele zu verwirklichen. Da es parallel zur täglichen Arbeit oft schwierig ist sowie Zeit und Lust fehlen, sich intensiv dem Studium von Fachbüchern zu widmen oder an mehrtägigen Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen, wird die freie Zeit fast immer auch dazu genutzt, sich weiterzubilden.

Obwohl der Arbeitnehmer sehr frei entscheiden kann, wie er die Auszeit nutzt, wird trotzdem deutlich, dass das Sabbatical das Ideal einer Win-Win-Situation beschreibt, da es sowohl für das Unternehmen als auch für seine Angestellten Vorteile mit sich bringt: Der Mitarbeiter hat Gelegenheit, eigene Ziele zu verwirklichen und Zeit, privat wie beruflich neue Ziele anzuvisieren. Der Arbeitgeber profitiert von der (wieder)erstarkten Leistungsfähigkeit und Motivation, von neuen Ideen und von dem bewusst oder unbewusst gewachsenen Wissens- und Erfahrungshorizont des zudem ausgeruhten und ausgeglichenen Mitarbeiters.


Weiterbildung während des Sabbaticals
Neben der Verfolgung persönlicher Interessen wird das Sabbatical von Arbeitnehmern insbesondere auch dazu genutzt, persönliche und berufliche Qualifizierungsziele zu verwirklichen. Da es parallel zur täglichen Arbeit oft schwierig ist sowie Zeit und Lust fehlen, sich intensiv dem Studium von Fachbüchern zu widmen oder an mehrtägigen Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen, wird insbesondere die freie Zeit fast immer auch dazu genutzt, sich weiterzubilden ohne gleichzeitig Höchstleistungen im Unternehmen erbringen zu müssen.


Wie können Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Voraussetzungen schaffen, um die Möglichkeiten der Freistellung auf Zeit zu nutzen?
Grundsätzlich muss im Arbeitszeitsystem des Unternehmens die Möglichkeit bestehen, auf einem Zeitkonto Überstunden, Urlaub oder auch Teile des Gehalts anzusparen, um dieses Guthaben anschließend zu einem verabredeten Zeitpunkt in einen Langzeiturlaub umwandeln zu können: Hierbei sind verschiedene Varianten denkbar:

  • So hat der Arbeitnehmer auf der einen Seite die Möglichkeit, in einigen Jahren auf einem Langzeitkonto sukzessive Urlaubstage und Überstunden anzusparen, welche in Form von Zeitwertpapieren (der Geldwert der angesparten Zeit wird in einem Fond deponiert) angelegt und verzinst werden und im Sabbatzeitraum als Freizeit wieder entnommen werden können. Nach beispielsweise fünfjährigem Ansparen kann das auf dem Langzeitkonto kontinuierlich angewachsene Guthaben dann zu einem viermonatigen Sabbatical wieder entnommen werden. Die Entlohnung ist somit aufgrund des de facto stattfindenden Freizeitausgleichs durch Überstundenabbau automatisch gesichert.
  • Eine andere, mitunter schneller zum Ziel führende Möglichkeit, einen bezahlten Langzeiturlaub anzusparen, liegt in einem zeitlich begrenzten Lohnverzicht: Der Arbeitnehmer verzichtet z. B. pro anvisierten Sabbatmonat auf ein Zwölftel eines Jahresgehalts und kann, sobald ein ausreichendes Gehaltsguthaben angespart worden ist, sein Sabbatical antreten. Wenn ein Arbeitnehmer also beispielsweise ein viermonatiges Sabbatical nehmen möchte, müsste er vier Jahre lang auf ein Zwölftel (entspricht in der Summe vier Zwölfteln) oder ein Jahr lang auf ein Drittel (entspricht in der Summe auch vier Zwölfteln) seines Jahresgehalts verzichten. Siemens verfährt im Rahmen seiner seit 1997 bestehenden Regelung zur Förderung von Sabbaticals nach der folgenden Berechnung: Wer z. B. für sechs Monate aussteigen möchte, reduziert sein Gehalt für die dem Sabbatical vorhergehenden drei Jahre auf 83 Prozent des ursprünglichen Bruttoverdienstes, wer einen einmonatigen zusätzlichen Urlaub wünscht, auf rund 91 Prozent.
  • Die nordrhein-westfälische Landesregierung (und andere öffentliche Verwaltungen) bietet Sabbaticals beispielsweise für Lehrer oder andere Verwaltungsangestellte und Beamte an (§ 78 b IV LBG). Hier gibt es so genannte Drei-, Vier- oder Fünfjahresmodelle, in denen die Angestellten oder Beamten jeweils auf ein Drittel, ein Viertel oder ein Fünftel ihres Gehalts verzichten und dafür im dritten/vierten/fünften Jahr eine zwölfmonatige Freistellung erhalten, ohne dass sie auf zumindest anteilige Besoldung und sonstige besoldungsabhängige Ansprüche, vor allem die Absicherung im Krankheitsfall (Beihilfe), verzichten müssen. Was die Beamten während des Jahres machen, ob sie reisen oder sich weiterbilden oder gar nichts machen, bleibt jedem selbst überlassen.

Einsatz von Sabbaticals in unternehmerischen Krisenzeiten
In jüngster Zeit zeigen einige Unternehmen, dass sich das Konzept des Sabbaticals auch gut zur Überwindung von rezessiven Phasen nutzen lässt. Ähnlich dem Gedanken eines Arbeitszeitkontos, bei dem in Hochphasen angesammelte Zeitguthaben in weniger arbeitsintensiven Zeiten abgefeiert werden können und der Arbeitnehmer somit dem Betrieb fernbleibt, können auch zeitlich begrenzte Auszeiten von Mitarbeitern, die ein Sabbatical nehmen, dazu genutzt werden, Überkapazitäten abzubauen und konjunkturelle oder saisonale Schwankungen zu überbrücken.

Hinter dieser Vorgehensweise steht in erster Linie die Notwendigkeit von Seiten des Unternehmens, in Zeiten des Abschwungs (Personal-)Kosten zu reduzieren. Was früher nur durch Entlassungen funktionierte, gelingt in Zeiten, in welchen sich in der Arbeitswelt mehr und mehr flexible Unternehmenskulturen und Arbeitszeitregelungen durchsetzen, auch mit weniger drastischen Maßnahmen. Mitarbeiter, die sich an einer solchen konjunkturell bedingten Auszeit beteiligen möchten, gehen für eine bestimmte Zeit nicht zur Arbeit und bekommen trotzdem einen Teil (meist zwischen 50 und 20 Prozent) ihres bisherigen monatlichen Bruttogehaltes überwiesen. Im Anschluss an die im Vorfeld vertraglich festgelegte mehrmonatige Abwesenheit kehrt der Arbeitnehmer, wenn möglich, an seinen alten Arbeitsplatz, zumindest aber in seine alte Abteilung zurück. Dieses Beschäftigungsmodell wird z. B. bei Siemens unter der Bezeichnung „Time-Out“ oder bei Accenture unter den Namen „Flex-Leave“ bereits erfolgreich praktiziert.

Der Unterschied zu der oben beschriebenen und bisher praktizierten Ausgestaltung von Sabbaticals liegt darin, dass, anders als sonst, nicht nur der Arbeitnehmer im Vorfeld seiner Auszeit Überstunden ansparen oder auf Teile seines Gehaltes verzichten muss, sondern dass nun auch der Arbeitgeber sich an der Finanzierung des Sabbaticals dahingehend beteiligt, dass er trotz Abwesenheit des Mitarbeiters Teile des Lohns sowie die anteiligen Sozialversicherungsbeiträge weiterbezahlt. Nichtsdestotrotz profitiert ein Unternehmen aber auch von derartigen Beschäftigungsmodellen, da so einerseits in konjunkturellen Flauten Kosten eingespart werden können, auf der anderen Seite aber, wenn das Marktumfeld wieder anzieht, auf gut ausgebildete und bereits eingearbeitete Mitarbeiter zurückgegriffen werden kann und kostenintensive Neurekrutierungen vermieden werden können. Zudem hat der Arbeitgeber natürlich wie beim „traditionellen“ Sabbatical auch nach wie vor den Vorteil, dass die Mitarbeiter, gut erholt und/oder weiterqualifiziert an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Beispiele für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit eines Sabbaticals geben, finden Sie auf unseren Seiten „Arbeitszeitflexibilisierung in der Praxis“.


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