Beispiel für einen Entwicklungs- und Einführungsprozess von flexiblen Arbeitszeiten

PROJEKTLOGO

Einführung flexibler Arbeitszeiten bei der Dresdner Bank

1996 beschloss die Dresdner Bank, ihre Aktivitäten im Bereich Arbeitsflexibilisierung in einem zentralen Projekt zu bündeln, welches die verschiedenen Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung, die im Unternehmen existierten, zu einem Instrument zusammenfassen sollte. Zwei Jahre später stellte die Dresdner Bank ihr auf die Belange des Hauses abgestimmtes Arbeitszeitmodell VAZIT - Variable Arbeitszeiten im Team vor.

Die Vorgehensweise innerhalb des Einführungsprozesses wird im folgenden Abschnitt skizziert und liegt auch als Foliensatz zum Download bereit (den Acrobat Reader gibt es hier).


Ausgangssituation & Probleme

  • Gleitende Arbeitszeiten seit den siebziger Jahren
  • unabhängig vom Bedarf existiert in Kernzeiten Maximalbesetzung
  • erschwerte Personaleinsatzsteuerung in Gleitzeitphasen
  • Minutenmentalität
  • Unzufriedenheit der Belegschaft wegen mangelnder Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und unkommentierten Streichungen von Zeitguthaben

Ziele

  • Arbeitszeiten am externen und internen Kunden orientieren
  • Personalbesetzung am Arbeitsanfall ausrichten
  • Mitarbeiterinteressen stärker berücksichtigen
  • Eigenverantwortung & Flexibilität fördern
  • Teamprozesse fördern

Meilensteine der Einführung

  1. Information von Führungskräften, Mitarbeitern & Betriebsrat
  2. Einrichtung eines Arbeitszeitworkshops
  3. Befristete Betriebsvereinbarung
  4. Erprobungsphase mit Erfahrungsaustausch
  5. Abschlussworkshop und Einführung des neuen Modells VAZIT

Stolpersteine

  • Persönliche & abteilungsbezogene Gewohnheiten
  • keine konsequente Information und Abstimmung innerhalb der Teams
  • keine zeitnahe Steuerung & Kontrolle der Zeitguthaben, wodurch unerwünscht hohe Salden entstanden sind
  • wenig Freiräume durch Vorgesetzte
  • wenig Mut von Vorgesetzten und Mitarbeitern

Ablauf des Arbeitszeitworkshops

  1. Zieldefinition von VAZIT bzw. der Einführungsphase
  2. Festlegung der Rahmenbedingungen für eine kundenorientierte und flexible Arbeitszeitgestaltung
    • Wer sind die Kunden?
    • Wer sind die Teams?
    • Wie sieht der Arbeitsanfall ungefähr aus?
    • Wie lauten die Kundenanforderungen?
  3. Bausteine von VAZIT vorstellen und ausgestalten
  4. Weitere Aktivitäten und nächste Schritte

Erprobungsphase - Bausteine von VAZIT

Allgemeine Bausteine

  • Aktives Zeitmanagement
    (jeder Mitarbeiter persönlich)
  • Verantwortliches Handeln
    (Berücksichtigung von persönlichen Wünschen, wenn es betrieblicher Ablauf erlaubt)
  • Steuern und Führen im Team
    (Abstimmung von Regeln im Team)
  • Rechtliche Rahmenbedingungen
    (Wochen- bzw. Höchstarbeitszeit, Ruhepausen)

Auszugestaltende Bausteine

  • Tagesbezogener Arbeitszeitrahmen
    (Rahmenarbeitszeit)
  • Mindestbesetzungen in den Servicezeiten des Teams
    (Servicezeit & Servicequalität)
  • Abstimmungsregeln für das Team und die Führungskräfte
    (Wer arbeitet wann? Wer vertritt wen? Wer vermittelt Unstimmigkeiten? Wer entscheidet was?)
  • Persönliches Zeitkonto
    (Kurzzeitkonten mit lfd. Saldierung; Langzeitkonten mit Übertragsregelungen)

Evaluationsphase

Abschluss der Erprobungsphase

  • nach zwei Jahren
  • in 12 Organisationseinheiten
  • mit intensiver Betreuung durch Projektteam

Evaluation zu Auswirkungen in den Punkten

  • Kundenorientierung
  • Bewältigung des Arbeitsanfalls
  • Mitarbeiterzufriedenheit
  • Teamprozesse & Führungsaufgaben

Evaluationsinstrumente

  • schriftliche Befragung der Mitarbeiter
  • Workshops
  • Führungskräfteinterviews


Literaturhinweis:

Linke, M.; Basse, H. (2001): Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle in der Praxis.
In: www.flexible-unternehmen.de.
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